Über Teilzeit nachgedacht, aber Angst vor dem Gehaltsverlust? Die gute Nachricht: Wer seine Stunden reduziert, verliert prozentual weniger Netto, als er an Arbeitszeit abgibt. Schuld (im positiven Sinne) ist die Steuerprogression.
Weniger Stunden ≠ gleich viel weniger Netto
Das Brutto sinkt zwar proportional zu den Stunden – das Netto aber nicht. Denn je weniger du verdienst, desto niedriger ist dein durchschnittlicher Steuersatz. Ein paar Beispiele (ledig, Steuerklasse I, 4.500 € Vollzeit-Brutto bei 40 Std/Woche, 2026):
| Neue Stunden | Weniger Stunden | Netto/Monat | Weniger Netto |
|---|---|---|---|
| 32 Std | −20 % | 2.386,83 € | −16,8 % |
| 30 Std | −25 % | 2.262,85 € | −21,1 % |
| 20 Std | −50 % | 1.622,70 € | −43,4 % |
Zum Vergleich: das Vollzeit-Netto liegt bei 2.869,42 €. Selbst wer auf die halbe Stundenzahl geht, behält also noch rund 57 % seines Nettos.
Warum ist das so?
In Deutschland steigt der Steuersatz mit dem Einkommen (Progression), und die ersten rund 12.348 € im Jahr bleiben komplett steuerfrei (Grundfreibetrag). Wenn dein Brutto sinkt, rutschst du in einen niedrigeren Durchschnittssteuersatz – pro verdientem Euro bleibt dir mehr Netto. Genau deshalb fällt der Netto-Verlust kleiner aus als der Stunden-Verlust.
Der versteckte Bonus: höherer Netto-Stundenlohn
Weil du für die weniger gearbeiteten Stunden anteilig weniger Steuern zahlst, steigt dein Netto-Stundenlohn. Im Beispiel oben:
- 40 Std/Woche: 16,55 € netto pro Stunde
- 30 Std/Woche: 17,41 € netto pro Stunde
- 20 Std/Woche: 18,72 € netto pro Stunde
Jede Stunde Teilzeit ist netto also mehr wert als eine Vollzeit-Stunde.
Ein Wort zu den Sozialabgaben
Der Effekt kommt vor allem von der Steuer. Bei den Sozialabgaben (Renten-, Kranken-, Pflege-, Arbeitslosenversicherung) zahlst du prozentual weitgehend gleich viel – erst an den Beitragsbemessungsgrenzen ändert sich das. Der große Hebel bleibt also die Progression bei der Lohnsteuer.
Näherungswerte, keine Steuerberatung. Annahme: Brutto sinkt proportional zu den Stunden.